Alles rund um die deutsche und europäische Raumfahrt
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- Offtopic: Amoklauf
Ein Thema das nicht direkt die Raumfahrt betrifft aber trotzdem Erwähnung finden sollte: Der Amoklauf des 18jährigen Schülers in Emsdetten.
Dazu fallen mir spontan einige Fragen auf:
- Warum konnte es dazu kommen, dass ein am Beginn seines Lebens stehender junger Mann erst versucht möglichst viele andere Schüler und Lehrer zu töten bevor er sich selber tötet?
- Warum sind kurz nach seiner Tat sämtliche Spuren im Internet von ihm gelöscht worden? Abschiedsbrief, seine Videos, seine Homepage....seine Kommentare bei dem deutsche Online Waffenhändler EGun......alles gelöscht. Nur der Heise Verlag publiziert seinen Abschiedsbrief: Link. Den Medienberichten zufolge hat er sich schon Jahre vorher in einem Internetforum um Hilfe bemüht.
- Warum dieses Reflexartige Geschrei der Politik nach Verbot von gewaltverherrlichenden Spielen? Die Berieslung in den Massenmedien wimmelt vor sinnloser Gewalt. Wie kommt es, dass man Waffen und Zutaten für Sprengstoff in Deutschland frei handeln kann? Wieso merkten Eltern, Lehrer und Freunde nichts? Wollen möglicherweise Politiker nur von ihrem Versagen ablenken während unsere Gesellschaft aufgrund immer größerer gesellschaftlicher Unterschiede zerfällt? Die Unterscheide sind größer geworden, zwischen Arm und Reich, zwischen Links und Rechts. Was kann die Antwort drauf sein? Ignorieren und Fördern der Unterschiede kann kaum die richtige Antwort sein, wie ist da das Handeln der Politik einzuordnen?
Für uns alle bleibt in Deutschland viel Arbeit zu tun, nicht nur um die Raumfahrt zu fördern. Jugendliche müssen in die Gesellschaft integriert werden, selbst wenn ihre Ansichten wirr oder extrem wirken mögen. Wenn eine Gesellschaft der Jugend mit Gleichgültigkeit und Desinteresse begegnet, ist sie krank. Solche Taten und Filme wie Bowling for Columbine geben einem zu denken.
Leider findet die Diskussion über mögliche Ursachen und Hintergründe hauptsächlich in der Blogospähre statt, Massenmedien und Politik wissen sofort ohne großes Nachdenken die Ursachen. Schade.
Quo Vadis Deutschland?
Wed, 22 Nov 2006 00:23:54 +0100
- Keine Änderung der Weltraumpolitik nach US Wahlen
Voraussichtlich werden die US Wahlen nicht zu einer Änderungen der Raumfahrtpolitik führen. Im House wie im Senat verfügen die Demokraten jetzt über eine Mehrheit - sofern eventuelle Nachzählungen nicht für den Senat eine Änderungen herbeiführen sollten.
Über den US Raumfahrtetat entscheidet das House auf Vorschlag des Präsidenten, der Senat hat kein Mitspracherecht. Dabei entscheidend sind die Ausschüsse für Wirtschaft sowie dessen Unterausschuss für Raumfahrt. Beiden werden in Zukunft Demokraten vorsitzen, der Stellvertreter wird von den Republikanern kommen. Bill Nelson aus Florida von den Demokraten wird vermutlich dem Raumfahrtausschuss vorstehen, sein Stellvertreter ist voraussichtlich Kay Bailey Hutchison von den Republikanern aus Texas.
Beide haben sich sehr positiv gegenüber einen Zusammenarbeit geäußert und beide verfügen auch über einen gewissen Einfluss in ihrer Partei. Nelson jedenfalls erklärte der Palm Beach Post, er würde sich für eine Erhöhung der Gelder für Orion einsetzen. Die Pause zwischen Shuttle und seinem Nachfolger soll möglichst kurz ausfallen.
Nancy Pelosi als zukünftige sehr einflussreiche Sprecherin des Hauses hat sich bisher wenig für Raumfahrt eingesetzt, sich allerdings auch nicht negativ geäußert. Zu vermuten ist, dass sie die Bereich ihren Kollegen wie Nelson überlassen wird. Allerdings kann es im Rahmen von Budgetkürzungen auch zu Einsparungen im Raumfahrtetat kommen, bzw. könnte eine Steigerung des Gesamtetats schwierig durchzusetzen sein. Die Demokraten hatten immer angekündigt das Staatsdefizit senken zu wollen.
Meine persönliche Vermutung ist, dass es mehr Gelder für Orion bereist gestellt werden. Damit die Pause zwischen dem Shuttle und seinem Nachfolger möglichst kurz ausfällt, die bemannte Raumfahrt ist in den USA ein wichtiges Prestigeprojekt. Kommt es aus Gründen des hohen Staatsdefizits nicht zu einer Erhöhung des Raumfahrthaushalts, werden wohl Gelder aus anderen bereichen der NASA dafür abgezogen werden. Derzeit drückt China so stark auf das Tempo in der bemannten Raumfahrt, da werden die USA nicht jahrelang auf bemannte Raumfahrt verzichten. Auch Indien wendet sich nun der bemannten Raumfahrt zu, falls die Pläne von der Regierung abgewinkt werden. Für Europa wird sich nicht viel ändern, zwar steigen die Chancen, dass sich die USA wieder mehr ihren Partnern zuwendet. Die ESA wird aber nicht über den Status eines kleinen Juniorpartners hinaus kommen. Denn Europa wird kaum mehr als als wenige Prozent der Gesamtkosten für Orion übernehmen wollen, die Raumfahrtausgaben - militärisch und zivil - betragen generell weniger als 20% der USA Gelder und sind auf lange Jahre hinaus verplant. Und Programme wie GMES und Galileo werden teurer als geplant.
Sun, 12 Nov 2006 20:39:00 +0100
- EU will Galileo militärisch nutzen
Die EU Kommission schlägt vor das Satellitennavigationssystem Galileo zukünftig auch militärisch zu nutzen, schlägt jedenfalls der EU Verkehrskommissar Jacques Barrot vor.
Der hohe EU Vertreter begründet dies auch erstaunlich ehrlich mit den wachsenden Kosten, wird doch Galileo zumindest viele hundert Millionen Euro mehr kosten wie geplant. Durch eine militärische Nutzung könnten Gelder aus den Verteidigungshaushalten in das Projekt fließen. Großbritannien lehnte aber sofort eine verteidigungspolitische Nutzung des Systems ab. Dabei gibt das Königreich pro Kopf sehr viel für Rüstung aus im europäischen Vergleich und die Streitkräfte nutzen das amerikanische GPS ausgiebig. Warum nicht besser ein europäisches System unterstützen?
Wed, 18 Oct 2006 22:56:52 +0200
- Drastische Erhöhung der deutschen Raumfahrtausgaben?
Im Rahmen der Hightech Strategie für Deutschland möchte die Bundesregierung Wissenschaft und Forschung stärker fördern. Die Raumfahrt soll als eine der Leuchtturmthemen auch finanziell gefördert werden, mit insgesamt 3,65 Mrd. der knapp 12 Mrd. die für alle Projekte zur Verfügung stehen. Damit ist die Raumfahrt vor Energie (2 Mrd. ) und Informationstechnologien (1,18 Mrd ) der am stärksten geförderte Bereich.
Im Rahmen der Initiative wurde auch eine recht interessante SWOT-Analyse der deutschen Raumfahrt durchgeführt. Die allerdings ist im Detail so nicht ohne Widerspruch hinnehmbar. Aufgrund der im Verhältnis zu Frankreich sehr geringen nationalen Ausgaben - das ändert sich nun etwas sollten sich obige Zahlen bestätigen - steht die deutsche Industrie relativ schlecht dar. Auch sehr erfolgreich arbeitende Institute wurden geschlossen. Dabei mangelt es an wissenschaftlicher und technischer Wettbewerbsfähigkeit durch fehlende nationale Projekte. Damit verlieren deutsche Ingenieure die Fähigkeiten zur Systemführung oder zur Entwicklung neuer Trägersysteme. Die KMUs nur begrenzt eine Rolle als Prime wahrnehmen. Ohne deutsche EADS Standorte würde bleiben nur wenige mittelständische Unternehmen übrig die sich zumindest zu einem großen Teil mit Raumfahrt beschäftigen: OHB, Jena-Optronik und Kayser-Threde. Der Streit um EADS verdient einen eigenen Blog Eintrag...
Erstaunlich ist, dass bisher nicht über die Zahlen diskutiert wird. Immerhin wären 3,6 Mrd. mehr eine Verdopplung der Raumfahrtausgaben, sollten es nicht zusätzliche Gelder sein.....wäre dies ein Armutszeugnis der Bundesregierung. Die Wahl des Wortes "investieren" im Text der offiziellen Seite impliziert zumindest, dass es sich um frische Gelder handelt.
Tue, 17 Oct 2006 18:49:05 +0200
- China legt neues Raumfahrt Weißbuch vor
China hat ein neues Weißbuch Raumfahrt vorgelegt. Im Wesentlichen bekräftigt es den momentanen Kurs. Die Fähigkeiten im Bereich der bemannten wie unbemannten Raumfahrt sollen weiter ausgebaut werden.
Bestätigt wurde der Wunsch nach einem eigenen Satelliten Navigationssystem namens Beidou. Schon seit einigen Wochen war vermutet worden, dass China Interesse am Aufbau eines eigenen Systems haben könnte, so mutmaßte auch Taylor Dinerman in seinem Artikel China and Galileo, continued. Für Europa wäre ein weiterer Wettbewerber im Aufbau eines GNSS sehr kritisch zu sehen, das Geschäftsmodell zur Finanzierung wäre dann u. U. kaum umzusetzen. Außerdem stellt sich die Frage inwieweit China Know-how aus Europa abziehen konnte.
Daneben wird auch die Weiterentwicklung der derzeitigen Trägerraketen als Ziel genannt. Damit könnte China in die Region der Schwerlastträger bis 30t vorstoßen, genügend Kapazität für den Aufbau einer Raumstation im LEO.
Militärische und kommerzielle Aktivitäten sollen weiterhin ausgebaut werden. Es bleibt also spannend, bleibt doch auch der Fokus auf den Mond gerichtet. Ein "Space-Race" zwischen China und den US in Richtung unseres Trabanten ist aber momentan nicht vorstellbar. Bleibt abzuwarten ob das riesige Reich uns überrascht.
Tue, 17 Oct 2006 17:46:37 +0200
- China versucht US Satelliten zu blenden
China versucht mit Hochenergielasern US Spionagesatelliten zu blenden die das chinesische Territorium überfliegen. Prinzipiell lasen sich mit Lasern Kamerasysteme blenden die im Bereich des sichtbaren Lichtes oder des infraroten Teil des Spektrums aufnehmen. Auch Radarsatelliten lassen sich damit stören, allerdings ist die dafür benötigte Energie extrem hoch und die Satelliten sind extrem schwer zu treffende Ziele.
Dem US Bericht nach hat es China aber immer wieder probiert, nur wie groß der Erfolg dabei war wurde nachvollziehbarer Weise nicht publiziert.
Den Rüstungsfirmen und Rüstungsförderern in der Politik dürfte der Bericht zur Rechten Zeit kommen. Fordern sie doch eine noch stärkere Aufrüstung der eigenen Streitkräfte, dabei geben die USA heute schon mit über 420 Mrd. Dollar mehr als doppelt soviel für Rüstung aus wie die wesentlich größere EU , an der Bevölkerungszahl und dem´Bruttosozialprodukt gemessen.
Gewissen Politiker in den USA bauen schon seit Jahren China zum Erzfeind auf. Trotzdem müssen die Berichte ernst genommen werden. Tatsächlich ist China eine Diktatur in der weder Meinungsfreiheit herrscht noch gibt es freie Wahlen. Auch verhält sich China gegenüber Taiwan sehr aggressiv, die freiheitliche Demokratie steht unter dem Schutz der USA.
Fri, 29 Sep 2006 19:43:07 +0200
- CEV heisst Orion
Das Crew Exploration Vehicle hat nun seinen endgültigen Namen bekommen: Orion. Mit einer Masse von 25t soll es bis zu vier Astronauten zum Mond bringen können. Starten soll Orion auf der Spitze der Ares I, des neuen Trägers mit basierend auf dem Bosster des Space Shuttles. Der Schwerlastträger wurde Ares V benannt, mit einer Leistungsfähigkeit die etwa der der Saturn V entspricht.
Als Nachtrag für die urlaubsbedingte Pause bei den Postings möchte ich noch kurz auf die Auswahl der NASA für kommerzielle Transporte (COTS) von Nutzlasten zur ISS verweisen. Mit einem Teil der insgesamt etwa 500 Mio. Dollar sollen Kistler Aerospace und SpaceX unterstützt werden, t/Space flog aus der Auswahl heraus. Das Konzept erschien der NASA zu ehrgeizig. Allerdings kann auch t/Space der NASA zukünftig noch Flüge zur ISS verkaufen, wenn das Unternehmen erfolgreich das Konzept in einem Erstflug demonstrieren kann. Von den drei Unternehmen hat bisher keines erfolgreich Nutzlasten in den Weltraum gebracht, die Falcon I stürzte wegen verschiedener Probleme beim Jungfernflug ab und Kistler Aerospace hat noch kein Datum für einen Erstflug genannt.
Durch den Einkauf von Flügen durch die NASA bei privaten Unternehmen die einen großen Teil der Entwicklung selber finanziert haben, dürfte sich der Abstand der USA zur Rest der Welt vergrößern. Tendenziell werden sich diese Unternehmen stärker am Markt orientieren und innovativer sein wie eingeführter Unternehmen. Große Unternehmen wie Boeing haben bisher praktisch immer nur auf Aufforderung und mit Finanzierung durch die NASA und das Militär neue Träger entwickelt. Die beiden US Systeme Atlas und Delta werden auch nicht mehr am Markt für kommerzielle Nutzlasten angeboten, sie sind auch schlichtweg zu teuer um konkurrenzfähig zu sein. Alle internationalen Trägersysteme sind auch überwiegend staatlich finanziert.
Nach meiner persönlichen Einschätzung werden Kistler und SpaceX, soweit die Systeme fliegen sollten bzw. sich als zuverlässig erweisen sollten, die staatlich finanzierten Träger unter großen Druck setzen. Sind sie doch, trotz aller Steuergelder die für die Entwicklung ausgegeben worden sind, teurer. Jedenfalls soweit die Zahlen stimmen die von SpaceX momentan herausgegeben werden.
Positiv ist natürlich, dass dadurch der Zugang zum Weltraum günstiger werden kann. Gleichzeitig kann Europa wieder deutlich zurückfallen, falls die Falcon V erfolgreich fleigen sollte. Europa sollte sich Konzepte für die Zukunft überlegen,. Die aktuellen monopolartigen Strukturen mit EADS jedenfalls sind wohl nicht tauglich um die Kosten drastisch zu sinken. Wir könnte man in Europa die Privatinitiative fördern? Oder sind die USA einfach weit vorraus, in Beziehung auf Pioniergeist und die Umsetzung neuer Geschäftsideen?
Wed, 23 Aug 2006 20:22:16 +0200
- Neues CEV Design
Das CEV soll kleiner und leichter werden, so berichtet NASASpaceFlight.com heute. Da die neue Kapsel etwa ein Übergewicht von 2,5t hat, soll das Servicemodul 1,5t leichter werden. Das Crew Modul selber soll etwa 900kg leichter werden, die Struktur wird aus einer Aluminium Lithium Legierung bestehen anstatt nur aus Alu. Auch soll weniger Wasser mitgenommen werden. Insgesamt ergeben sich Gewichtseinsparungen von fast 6t für das ganze System.
Die Leistungsfähigkeit soll aber nicht darunter leiden, auch soll es weiterhin 5m Durchmesser haben. Das Crew Modul ist für 4 Astronauten und mehr als 2 Wochen ausgelegt, an die ISS angedockt ist eine Lebensdauer von über 6 Moanten vorgesehen. Auf NASASpaceFlight.com soll in nächster Zeit weitere Details veröffentlicht werden.
Mon, 24 Jul 2006 17:53:39 +0200
- Vor 30 Jahren landete Viking I
Vor 30 Jahren, am 20 Juli 1976, landete die NASA Sonde Viking I auf der Marsoberfläche. Bestehend aus einem Orbiter und einem Lander nahm die Sonde die ersten hochauflösenden Fotos vom Mars auf und untersuchte erstmals den Boden sowie die Atmosphäre. Auch führte sie biologische Tests durch. Nach überwiegender Meinung der Wissenschaftler mit dem Ergebnis, dass kein Leben auf der Marsoberfläche gefunden worden ist.

Foto: NASA
Thu, 20 Jul 2006 00:14:36 +0200
- Kliper eingestellt
Einer Meldung von Flight International zufolge stellt Russland den Kliper praktisch ein. Auf eine Ausschreibung der russischen Raumfahrtagentur erfolgten keine Angebote die im geplnazen finanziellen Rahmen waren. Damit bliebe Russland nur der Weiterbetrieb der erfolgreichen Sojus Kapsel oder aber eine Neuentwicklung in Kooperation mit der ESA.
Allerdings bleibt es momentan kaum vorstellbar, dass Russland keinen eigenen bemannten Zugang zum Weltraum mehr hat. Mit einer Juniorrolle wird sich das Land mit Ansprüchen einer Supermacht nicht zufrieden geben können. Für Europa wäre eine Juniorrolle aber ebenfalls wenig attraktiv, die günstigeren russischen Firmen würden dann vermutlich alle Kernkomponenten bauen und entwickeln. Wie sieht die Zukunft der bemannten Raumfahrt in der EU und Russland aus, während die USA sich auf die Rückkehr zum Mond vorbereiten?
Thu, 20 Jul 2006 00:08:18 +0200